Recommended Reads Week 11: Warum Schlaf nicht zum Karrierekriterium werden sollte

Simone Lackerbauer


Zwischen Winterschlaf und Frühjahrsmüdigkeit widmen wir die Beiträge dieser Woche der Nutzung des Schlafrhythmus als zweifelhaftes Mittel zur Selbstoptimierung. Dass ausreichend Schlaf essenziell ist für unsere Leistungsfähigkeit, ist allseits bekannt. Auch die Tatsache, dass Menschen je nach Schlafrhythmus in früh aufstehende Lerchen und lang schlafende Eulen eingeteilt werden, wissen wir ebenso.

 

Doch Topmanager und hochrangige Politiker nutzen mittlerweile sogar ihren Schlafrhythmus als Tool, um ihre Tage noch effizienter zu nutzen. Da ist wenig überraschend, denn auf die detaillierte Vermessung des Selbst folgt fast zwangsweise auch ein Prozess der Optimierung:

Manager als Frühaufsteher: „4:30 Uhr ist eine gute Zeit zum Denken“

 

SPIEGEL ONLINE fragt: Warum stehen Wirtschaftsbosse immer früher auf? Elf Vorzeige-Manager berichten in diesem Artikel darüber, was sie früh morgens machen, während der Rest der Welt noch schläft. Auf den ersten Blick mag dies harmlos erscheinen: Sie sind eben Lerchen und treiben Frühsport, beantworten E-Mails oder nutzen den Morgen als vorgezogene Freizeit. Doch im Artikel wird auch angemerkt, dass dieses Frühaufstehen durchaus zum Statussymbol werden kann, ähnlich dem gestählten Körper oder dem makellos sitzenden Anzug. Langschläfer geraten dabei schnell in den Verdacht, faul zu sein – so wie auch im 2011 veröffentlichten Plädoyer für Morgenmuffel beschrieben wird. Dabei können wir wenig gegen unsere innere Uhr ausrichten und sollten uns fragen: Muss denn der Schlafrhythmus wirklich zum Karrierekriterium avancieren?

 

Top 10 Advantages Of Waking Up Early

 

Forbes.com thematisiert das Frühaufstehen ebenfalls in einer Bilderserie. Studien zufolge bekommen Frühaufsteher bessere Noten, sind proaktiver und profitieren von einer höheren Lebensqualität als die Eulen. Doch sind diese Argumente wirklich so schlagkräftig? Der Großteil des Schulalltags spielt sich am Vormittag ab und im Job ist es sinnvoll, wichtige Initiativen vor dem Tief nach dem Mittagessen zu treffen. Nachdem Lerchen vormittags von ihrem Leistungshoch profitieren, sind sie durchaus im Vorteil. Trotzdem ist es falsch anzunehmen, man könne Eulen den Lerchenrhythmus aufdrängen. Vielmehr sollten sich Bildungs- und Arbeitswelt flexibler auf die zwei Typen einstellen können, etwa mit Gleitzeitmodellen oder mit auf mehrere Zeitzonen verteilten Kommunikationswellen.

 

Denn wie so oft sollte doch die individuelle Leistungsfähigkeit unabhängig externer Kriterien zählen, wenn es darum geht, Menschen in ihrer Arbeit fair zu bewerten. Muse.com stellt beispielsweise in einem Artikel namens What Successful People Do Within the First 10 Minutes of the Workday dar, wie ein guter Start in den Arbeitstag aussehen kann – unabhängig von der Uhrzeit. Denn reflektieren, es sich bequem machen, Tasklisten abgleichen, priorisieren etc. funktionieren sowohl um 4:30, als auch um 9:30 – zumindest solange die Kaffeemaschine im Büro funktioniert.